Das St. Vinzenz Hospital um 1920

" Zukunft braucht Herkunft !" (Odo Marquardt)

Diese Erkenntnis wird gerne in Festreden bemüht, beinhaltet sie doch eine elementare philosophische Erkenntnis: Nur der, der seine Wurzeln kennt, kann sich in die Zukunft gut entwickeln.

Die Geschichte des St. Vinzenz Hospitals in Dinslaken ist ebenso wie die Geschichte und Entwicklung der Chirurgie in diesem Haus eine interessante Parabel der politischen und sozialen Entwicklungen in Deutschland und im Gesundheitwesen der letzten 150 Jahre.

Die Ursprünge des St. Vinzenz Hospitals

Krankenpflege und medizinische Versorgung waren in Dinslaken natürlich lange bekannt und folgten den Entwicklungen des Gesundheitswesens der entsprechenden Epochen. Ärzte, Bader, Siechenhäuser und vor allem Ordenshäuser prägten die Entwicklung der Neuzeit. Im 13. Jahrhundert wird ein Ordenshaus der Johanniter in Walsum erwähnt, das Kranke pflegte, im 14. Jahrhundert gründeten die Johanniter auch in Dinslaken eine Niederlassung „achter der Burg, längs des Stadtgrabens und der Stadtweiden“ (heute: auf der Fläche zwischen Wall- und Klosterstraße).

Im 15. Jahrhundert stiftete der aus Dinslaken stammende Lütticher Domherr Arnold Lichtpont das erste Hospital für sieben arme Leute in Dinslaken. Das Gasthaus (lateinisch: Hospital) war ein ausgesprochenes Armenhaus und Altersheim, ihm folgte die Gründung eines Frauen-Klosters namens Marienkamp, um die Pflege durch Nonnen zu ermöglichen.

Bedingt durch die Seuchenepidemien des 16. und 17. Jahrhunderts  wurde vor dem Walsumer Tor für die Erkrankten ("Maladen") das sog. Melatenhaus errichtet. Das Haus wurde von einem Melatenmeister verwaltet und scheint bis 1659 noch benutzt worden zu sein, 1703 wurde das ausgediente Melatenhaus abgerissen. (eine sehr detaillierte Beschreibung zu diesem Thema finden interessierte Leser auf der Homepage des Stadtvereins Dinslaken)

Das erste eigentliche Vinzenz-Hospital im sogenannten Beudelshof war ein Privatkrankenhaus, finanziert aus eigenen Einnahmen an Pflegegeldern, aber auch aus großzügigen Spenden. Am 1883 wurde der  Beudelshof vom damaligen Pfarrer Schönborn als Hospital eingesegnet und den Ärzten und Krankenschwestern übergeben. Im Sommer 1884 wurde Vinzenz von Paul zum Patron des Hauses erwählt. Mit den stetig steigenden Einwohnerzahlen der Stadt stiegen weiterhin die Ansprüche an das Hospital, mehrfach wurde das Haus erweitert. 1894 erfolgte die Übertragung der Eigentümerschaft auf die katholische Kirchengemeinde.

Die Industrialisierung des Ruhrgebietes hielt auch in der Stadt Dinslaken Einzug und die Bevölkerungszahlen nahmen rapide zu. In der Enge der Altstadt waren die Ausbaumöglichkeiten erschöpft. Pfarrer Bernhard Recker und das Kuratorium beschlossen deshalb im September 1906, am Rande der Stadt ein neues Krankenhaus zu bauen, das den wachsenden Ansprüchen entsprechen sollte. Vom Bauern Vahnenbruck wurde an der Friedhofstraße (die heutige Dr.Otto-Seidel-Straße) ein großes Grundstück erworben.

1909 erfolgte die Beauftragung des Architekten Merl aus Wesel und am 19. Juni 1910, nachdem die Bauarbeiten schon weit fortgeschritten waren, erfolgte die feierliche Grundsteinlegung. 1912 konnte das neue Hospital (der heutige Altbau des St. Vinzenz-Hospitals)  eingeweiht werden. Das alte ausgediente Gebäude im Beudelshof wurde nun unter der Obhut der Clemens-Schwestern eine "Kinderbewahr- und Handarbeitsschule“ und nannte sich fortan „Marienhaus“.

Das neugebaute St. Vinzenz-Hospital bedeutete für die damalige Zeit einen erheblichen Fortschritt, da außer den Krankenzimmern auch die erforderlichen klinischen Anlagen, wie z.B. ein Operationssaal (heute ist dort die Verwaltung untergebracht), Bäder usw. errichtet worden waren. Im Hauptgebäude konnten jetzt 73 Kranke und auf der neugeschaffenen Isolierstation 12 Patienten aufgenommen werden.

1945 wurde das Hospital bei Luftangriffen fast ganz zerstört. Unter erheblichen Mühen erfolgte nach dem Krieg der Wiederaufbau, eigene Kliniken für Innere Medizin und Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie eine Kinderklinik wurden etabliert. 1956 wurde das Haus nach Westen erweitert und den Clemensschwestern in einem eigenen Haus bessere Wohnungen geschaffen. Der moderne Neubau des heutigen 8-stöckigen Bettenhauses konnte am 29. Juni 1969 seiner Bestimmung übergeben werden und galt damals als eines der modernsten Krankenhausneuibauten Deutschlands. Bis in die jüngste Zeit wurden seitdem immer wieder Umbau- und Erweiterungsarbeiten durchgeführt und auch die Ausstattung dem Stand der Technik kontinuierlich angepasst. Das Haus bietet Platz für mehr als 400 Patienten in 8 Fachabteilungen und verfügt über 5 modernst ausgestattete Operationssäle.

Die Chefärzte der chirurgischen Kliniken des St. Vinzenz Hospitals

Klinik für Chirurgie

1912-1936

Dr. Friedrich Fraune

(Chefarzt des Gesamt-Hospitals)

Über Dr. Friedrich Fraune ist nur wenig überliefert. Er stammte aus Bergheim, studierte vermutlich in Bonn, wo er 1904 auch promovierte ("Ein Beitrag zur Lehre von den Pankreascysten" v. Friedrich Fraune). Er wohnte in der Friedrich-Ebert-Strasse und hatte eine Hausangestelle namens Nora Banning (aus deren Familienchronik das nebenstehende Bild stammt).

Bereits im 1. Weltkrieg war er als begabter Kriegschirurg in Lazaretten tätig. Er wurde dann 1936 erneut zum Militärdienst eingezogen. Dies führte u.a.zu einem ernsten medizinischen Versorgungsproblem in Dinslaken. Wir wissen, dass er 1940 ein Reservelazarett "Damenstift" in Burgsteinfurth leitete. Er starb vermutlich in der zweiten Hälfte des 2. Weltkriegs. Er wurde zwischenzeitlich durch Dr. Naumann vertreten.

1936-1965

Dr. med. Otto Seidel

(*1908 +1967)

Dr. Otto Seidel wurde 1908 in Lünen geboren, studierte in Rostock, Wien und Würzburg und trat 1936 die Stelle als Arzt im St. Vinzenz-Hospital an, zunächst als Vertreter des zum Kriegsdienst eingezogenen Chefarztes Dr. Fraune, später dann als hauptamtlicher Chefarzt des Gesamtkrankenhauses. Viele Jahre war er der einzige Arzt im Krankenhaus.

Otto Seidel, so erzählt manim Krankenhaus, sei während der NaziHerrschaft immer mit einer Pistole in der Tasche unterwegs gewesen. Nicht um sich bei Bedarf gegen die Gestapo zu wehren, sondern im Falle eines Falles sich selber zu töten. Denn Otto Seidel war den Nazis ein Dorn im Auge, ein unbequemer Mann, der nicht von seinem Weg abwich.

Nach dem Krieg wurde Dr. Otto Seidel schließlich hauptamtlicher Chefarzt und baute das Krankenhaus mit den aus seinen Bemühungen heraus enstandenen Kliniken für Innere Medizin und Gynäkologie trotz aller Unannehmlichkeiten der Nachkriegszeit weiter aus. Bis zu seinem Tod im Jahr 1968 stand Dr. Otto Seidel den kranken Menschen unermüdlich als Arzt und Chirurg zur Seite.

1965-1989

Dr. med. Hans Georg  Bongartz

           (*1924 +2010)

 

Dr. Hans Georg Bongartz wurde 1924 in Neuss geboren, studierte in Düsseldorf, wo er 1949 die Approbation erhielt und 1951 promovierte.

Nach Stationen in der Universitätsklinik Düsseldorf (49-51, Derra), im Knappschaftskrankenhaus Bardenberg (51, Herink), im Herz-Jesu Krankenhaus Neus (51-54, Berger), im Marien-Hospital Mülheim (54-62, Baum, Kühne), im Elisabeth-Krankenhaus Köln-Hohenlind (62-68, Hillenbrandt) wurde er 1968 zum Chefarzt im St. Vinzenz Hospital Dinslaken ernannt und war dort ab 1972 auch Ärztlicher Direktor.

Unter seiner Führung erfuhr die Chirurgie eine weitere Differenzierung, die dann nach seinem Eintritt in den Ruhestand in der Aufteilung der Klinik in die Kliniken für Unfallchirurgie und Allgemein- und Viszeralchirurgie unter seinen langgedienten Oberärzten Pothmann und Schweden mündete.

Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

1989-2011

Dr. med. Karl Schweden

 

1989-2009

Dr. med. Frank Pothmann

 

2011-2016

Dr. med. Peter Harding

 

seit 2007

Dr. med. Wolfgang Zinser

 

seit Okt. 2016

Dr. med. Klaus Peitgen

 

 

 

 

 

 

   

Die Operationssäle des St.Vinzenz Hospitals Dinslaken im Wandel der Zeit

Operationssaal des St. Vinzenz Hospital ca. 1920

Operationssaal des St. Vinzenz Hospital ca. 1920 (heute Büro der Geschäftsleitung)

Dr. Bongartz im Operationssaal des St. Vinzenz Hospital ca. 1986

Dr. Bongartz im Operationssaal

des St. Vinzenz Hospital ca. 1986

Der moderne Operationssaal im MEDICUM des St. Vinzenz Hospitals 2018

Der moderne Operationssaal

im MEDICUM des St. Vinzenz Hospitals 2018

 

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