Operationsdauer : ca. 45 Minuten

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    Stationär : 2-3 Tage

    Anteil minimal invasiver Operationen: 95%

 

Was sollten Sie über die Nebennieren wissen?

Jeder Mensch hat 2 Nebennieren. Die Nebennieren liegen am oberen Ende der Nieren. Eine Nebenniere ist etwa 3 Zentimeter lang und 1,5 Zentimeter breit und wiegt 5-15 Gramm. Es ist eine der Haupthormondrüsen in unserem Körper und produziert unter anderem das lebenswichtige Hormon "Cortisol". Die Größe der Nebenniere beträgt jeweils etwa 4x3x2 cm. Jede Nebenniere besteht aus zwei Anteilen: im Innere das Nebennierenmark, und außen die Nebennierenrinde. Im Nebennierenmark werden vor allem die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin gebildet und in der Nebennierenrinde vor allem die Hormone Aldosteron, Cortisol und DHEA. Sowohl der Ausfall der Nebennierenhormone als auch eine Überproduktion der verschiedenen Nebennierenhormone führt zu Krankheitsbildern.

 

Abdomen-CT mit einem Nebennierentumor rechts

 

Wie diagnostiziert man eine Nebennierenerkrankung?

Im Mittelpunkt der Diagnostik steht der Nachweis des Hormonüberschusses (z.B. der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin oder des Mineralhormons Aldosteron oder des Cortisols). Eine Abnahme der beiden Stress-Hormone direkt im Blut ist nicht sinnvoll, da diese auch bei Gesunden sehr stark schwanken. Die zuverlässigste Methode ist die Bestimmungen von Normetanephrin und Metanephrin im 24-Stunden-Sammelurin oder im Blut (Plasma).

Ist ein Hormonüberschuss bewiesen, erfolgt die Bildgebung. Dabei ist die Computertomografie und die Kernspintomografie für die Darstellung der Nebennierenregion geeignet. Bei außerhalb der Nebenniere gelegenen Nebennierentumore muss eine weiterführende Bildgebung erfolgen. In den meisten Fällen wird ein funktionelles, nuklearmedizinisches Nachweisverfahren wie die MIBG-Szintigrafie oder auch das kombinierte DOPA-PET/CT zur Sicherung des Phäochromozytoms eingesetzt. In ca. 25-30% der Fälle kann eine genetische Ursache vorliegen und im Rahmen von Syndrom-Erkrankungen auftreten (z.B. von-Hippel-Lindau-Erkrankung, Neurofibromatose Typ 1, Multiple Endokrine Neoplasie Typ 2 (MEN2), Familiäre Paragangliom-Syndrome). Aus diesem Grund wird in einigen Fällen zu einer genetischen Testung einschließlich einer familiären Beratung geraten.

Was sind die Beschwerden und welche Gefahren bestehen bei Nebennierenerkrankungen?

Nebennierentumoren gehören zu den häufigsten Tumoren beim Menschen überhaupt. Man geht davon aus, dass bis zu 3% aller erwachsenen, "gesunden" Personen einen Tumor in der Nebenniere hat, wobei die Häufigkeit im Laufe des Alters zunimmt. Der Großteil dieser Nebennierenveränderungen ist klein, gutartig und NICHT krankmachend, sie werden dann "Inzidentalome" genannt. Viele Nebennierentumore fallen zufällig im Rahmen einer Bildgebung (z.B. Ultraschall, Computertomographie, Kernspintomographie) aus anderen Gründen auf (sog. Inzidentalome, s.unten). Wenn der Tumor allerdings größer als 1cm ist, oder Beschwerden durch einen möglichen Hormonüberschuss bestehen, sollte eine entsprechende Abklärung durchgeführt werden. Da es hierbei vor allem um die Frage nach einer möglichen Hormonüberproduktion geht, sollte die Vorstellung bevorzugt beim Endokrinologen oder Nephrologen erfolgen. Folgende Tumore der Nebennieren werden unterschieden:

hormonproduzierende Nebennieren-Tumore

nicht-hormonproduzierende Nebennieren-Tumore

 

Beispiel einer retroperitoneoskpischen Adrenalektomie rechts

V. cava inferior, NN-Vene rechts

V. cava inferior, NN-Vene rechts geclippt

Bergung im Bergebeutel

Nebennierenlager rechts

Beispiel einer laparoskpischen Adrenalektomie links

Nierenvene links  

Pankreasschwanz, Milz, Nebennierentumor

Nebennierentumor links exstirpiert

Bergung im Bergebeutel

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen ?

Die einzig sinnvolle Behandlung ist die operative Entfernung. Es gibt verschiedene Verfahren, durch die Nebennierentumoren entfernt werden können. Prinzipiell stehen offene und minimal-invasive (laparoskopische) Verfahren zur Wahl. Welches Verfahren gewählt wird, hängt unter anderem von der Größe des Tumors und dem Verdacht auf Bösartigkeit ab, wobei die große Mehrzahl der Phäochromozytome laparoskopisch operiert werden kann. Wichtig ist vor der Operation eine etwa 7-14-tägige Vorbehandlung mit speziellen Bluthochdruck-Medikamenten (z.B. Dibenzyran), damit die Wirkungen des Adrenalins und des Noradrenalins an den Gefäßen aufgehoben und so Zwischenfälle während der Narkose und der Operation verhindern werden können.

Bösartige (maligne) Phäochromozytome sind durch Absiedlungen (Metastasen) gekennzeichnet. Bei malignen Phäochromozytomen besteht neben einer Operation, die Therapie bei Metastasen aus der Möglichkeit einer Radiojodtherapie, einer Chemotherapie, oder neuartigen Medikamenten (Multithyrosinkinase-Hemmern im Rahmen der FIRST-MAPP-Studie). Alle Phäochromozytom-Patienten sollten endokrinologische Nachsorgeuntersuchungen bekommen, meist in jährlichen Abständen.

Geeignet sind grundsätzlich zwei minimal-invasive Operationsverfahren ("Schlüssellochchirurgie") ,welche beide in Vollnarkose durchgeführt werden:

  • laparoskopische Adrenalektomie
  • retroperitoneoskopische Adrenalektomie

Durch  drei bis vier kleine Hautschnitte in der Bauchdecke (bei der laparoskopischen Methode) oder im Bereich der Flanke (bei der retroperitoneoskopischen Methode) wird mittels  einer Optik mit Videokamera und feinen Spezialinstrumenten die ganze Nebenniere aus dem Gewebe herausgelöst, von ihrer Verbindung zu den Blut- und Gallengefässen getrennt und dann durch die Bauchdecke oder die Flanke entfernt.

Sehr selten muss wegen Unvorhergesehenem, wegen schweren Verwachsungen nach Voroperationen oder wegen schwerer Entzündung die Laparoskopie abgebrochen und mit dem offenen Verfahren weiteroperiert werden.

Nur noch sehr selten kommt die herkömmliche, konventionelle (offene) Methode in zwei Varianten zum Einsatz

  • ventrale Adrenalektomie (Bauch-Zugang)
  • dorsale Adrenalektomie (Rücken-Zugang)

Durch einen ca. 15-20 cm langen Schnitt im Oberbauch (Bauch-Zugang) oder im Bereich der Flanke unterhalb der Rippen (Rücken-Zugang) wird die Nebenniere ebenfalls ganz entfernt.

Welches sind die Gefahren einer solchen Operation?

Wie bei allen Operationen kann es trotz grösster Sorgfalt einmal zu einer Nachblutung oder zu einer Wundinfektion kommen. Extrem selten sind Verletzungen benachbarter Organe (Leber, Darm, Gefässe und Gallenwege) beschrieben. Das Risiko solcher Verletzungen ist bei Voroperationen und Notoperationen erhöht. Bei Eingriffen am Gallengang kann es zu Austritt von Galle in die Bauchhöhle, zu narbigen Einengungen oder gar zu Fisteln (Verbindungsgang) zwischenGallengang und Darm oder Bauchdecke kommen.

Schmerzen im Schulter-, Hals- und Bauchbereichtreten gehäuft kurzfristig nach der laparoskopischen Operation auf. Daneben können allgemeine Komplikationen wie Thrombosen, Embolien oder Lungenentzündungen auftreten.

OP-Szene bei retroperitoneoskopischer Operation

Nebennierentumor (CONN-Adenom)

Nebennierentumor (Phäochromozytom)

Nebennierentumor (CONN-Adenom)

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