Welche Bedeutung hat die Milz ?

Die normale Milz hat nebst einer wichtigen Funktion in der Immunabwehr auch die Aufgabe, schadhafte Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und Thrombozyten (Blutplättchen) zu entfernen. Sie speichert auch weisse Blutkörperchen und Blutplättchen, die sie bei Bedarf ausschütten kann. Bei Splenomegalie mit Hypersplenismus (Milz-Überfunktion) werden diese Aufgaben zu stark wahrgenommen, weshalb es zu Blutarmut und Infektanfälligkeit führen kann. In diesen Fällen kann die Splenektomie eine gute Therapiemöglichkeit darstellen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein ?

Die Splenomegalie mit Hypersplenismus ist nebst der Milzruptur der häufigste Grund zur Splenektomie. Währenddem bei einem Unfall relativ rasch über eine konservative, resp. operative Therapie entschieden werden muss, wird die Splenomegalie vorerst gründlich abgeklärt. Nach der eigentlichen Diagnosestellung einer Milzvergrösserung werden Zeichen des Hypersplenismus gesucht. Die betroffenen Patienten durchlaufen gründliche Abklärungen beim Internisten und beim Facharzt für Hämatologie. Oft kann die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung (siehe Kapitel „Erkrankungen der Milz“) zu einer Verbesserung der Situation führen. Erst wenn die Milzvergrösserung bleibt und auch die Folgen des Hypersplenismus nicht verbessert werden können, wird der Patient zur Splenektomie zugewiesen.

Nach einer Splenektomie kann langfristig die Infektabwehr eingeschränkt sein. Bestimmte Erreger können dabei Erkrankungen wie Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung hervorrufen. Aus diesem Grund wird vor einer geplanten Splenektomie, möglichst 2-3 Wochen vor der Operation, Impfungen durchgeführt. Wichtig ist dabei die Impfung gegen Infektionen durch Erreger wie Haemophilus influenzae B und Pneumokokken.

Was passiert vor der Operation

Patienten mit Splenomegalie kommen bereits gründlich abgeklärt ins Spital. Oft ist der Spitaleintritt am Tag vor der Operation geplant. Vor der Operation werden sie vom Anästhesiearzt untersucht und gründlich abgeklärt. Die Operation wird immer in Vollnarkose durchgeführt. Der Narkose-Arzt besucht den Patienten im Zimmer und klärt ihn über das Narkoseverfahren auf. Je nach Bedarf sind noch kleinere Blutentnahmen durchzuführen. In speziellen Fällen müssen auch Blutkonserven für die Operation bereitgestellt werden. Bei Fragen können Sie sich auch jederzeit an das qualifizierte Pflegepersonal des Knappschaftskrankehauses  wenden.

Was wird bei der Operation genau gemacht ?

Der Patient wird in rechter Seitenlage gelagert. Der verwendete Operationstisch ist so konstruiert, dass der Körper auf Lendenhöhe noch etwas gebogen werden kann. So öffnet sich der linke Oberbauch ideal zur laparoskopischen Operation. Der Eingriff findet in Allgemeinnarkose statt. Für den laparoskopischen Eingriff werden vier Trokare mit einem Durchmesser zwischen 5 und 12 mm benutzt. Durch die rechte Seitenlage fallen die benachbarten Organe wie Magen und Dickdarm von der Milz weg, so dass die Region gut dargestellt werden kann. Als Erstes wird die linke Kolonflexur mobilisiert. Von hier aus wird das Fettgewebe zwischen Magen und Milz (Lig. gastrolienale) durchtrennt. In dieser Gewebeschicht verlaufen die kurzen Gefässe zwischen Magenoberpol und Milz (Vasa gastricae breves). Mit Hilfe der Ultraschallschere wird das Lig. gastrolienale durchtrennt. Dabei  werden die Gefässverbindungen zwischen Magen und Milz durchtrennt und versiegelt. Nun wird die Milzarterie durch einen Clip verschlossen, danach ist die Milz in der Regel nicht mehr durchblutet und schrumft etwas.

Die Milz ist mit ihrer Kapsel seitlich fest mit dem Zwerchfell verwachsen. So bleibt sie während der ganzen Operation hängen, die Darstellung der Milzgefässe wird dadurch erleichtert. In der tieferen Schicht an der Milzwurzel trifft man auf den Pankreasschwanz und die Milz-Hauptarterie. Nun werden die Milzgefässe am Hilus durch das sogenannte "Essener Manöver" dargestellt. Dabei wird die Mikz an der Wurzel über ein Instrument gehebelt, was die nun folgende Durchtrenneung der Milzwurzelgefässe erheblich erleichtert und sicherer macht.

Die Gefässe am Milzhilus werden relativ nahe des Organs mit Hilfe eines linearen Klammernahtgeräts ("Stapler")  oder aber mit einem bipolaren Versiegelungsinstrument ("LigaSure") durchtrennt. Am Schluss des Eingriffs werden die Verwachsungen der Milz gegenüber dem Zwerchfell gelöst. Damit ist das Organ vollständig mobilisiert und bereit zur Bergung. Bei einer eher kleinen Milz kann das Organ im Plastikbeutel zwischengelagert und schliesslich via Minilaparotomie geborgen werden. Bei sehr grossem Organ kann man die Milz zerkleinern, oder es muss eine grössere Laparotomie zur Bergung des Organs angelegt werden.

Nach Entfernung einer stark vergrösserten Milz entsteht meist eine grosse Höhle, in die eine Drainage eingelegt wird. Gelegentlich kann es zur Verletzung des Pankreasschwanzes kommen. Durch eine Untersuchung der Sekretflüssigkeit aus dem Drain kann später beurteilt werden, ob eine solche Verletzung aufgetreten ist. Die Minilaparotomie wird schichtweise verschlossen. Die kleinen Hautinzisionen an derTrokar-Insertionsstelle werden lediglich mittels Hautnaht verschlossen. Dabei wird ein resorbierbarer Faden verwendet, der unter der Haut versteckt zu liegen kommt. Bei grösseren Laparotomien werden gelegentlich Hautklammern verwendet.

Was passiert nach der Operation ?

Der Patient bleibt für einen Tag und meistens auch für eine Nacht auf der Intensivstation. Wichtig sind dabei die Überwachung von Blutdruck und Puls sowie des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin). Durch die Entfernung der Milz kann eine Anämie entstehen, zumal mit der Entfernung des Organs auch eine gewisse Menge des Blutes entfernt wird.

Falls eine Impfung vor der Operation nicht möglich war, wird diese 10 Tage nach der Operation nachgeholt. Die Patienten bleiben etwa eine Woche im Spital.

Wie muss man sich zu Hause verhalten ?

Je nach postoperativem Verlauf und je nach Ausmass des Blutverlustes sich erholen sich die Patienten nach Splenektomie recht schnell und können  nach 2-4 Tagen entlassen werden. Wichtig ist die körperliche Schonung während etwa 2-3 Wochen nach der Operation. Bei einer  Laparotomie sollte das Tragen von schweren Lasten während 6 Wochen vermieden werden. Regelmässige Blutkontrollen beim Internisten, resp. Hämatologen sind angezeigt, um den weiteren Verlauf und insbesondere den Erfolg der Splenektomie zu überprüfen.

Wie sieht der Langzeitverlauf aus ?

Da die Milz nebst dem Abbau von roten Blutkörperchen, von Erythrozyten und Thrombozyten auch Funktionen der Immunabwehr hat, besteht nach der Splenektomie eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infektionen mit bestimmten Bakterien (vor allem Pneumokokken, Haemophilus influenza, Meningokokken). Die wichtigsten Formen der Entzündung sind Lungenentzündung und Hirnhautentzündung. Darum sollte der Patient bereits 2-3 Wochen vor der Operation gegen diese Erreger geimpft worden sein. Die Impfungen müssen dann nach 5 Jahren wiederholt werden. Vor operativen Eingriffen (z.B. beim Zahnarzt) oder bei beginnenden Infekten ist die Einnahme eines Antibiotikums ratsam. Bei Auftreten von Fieber über 38°C wird empfohlen, ein Antibiotikum prophylaktisch einzunehmen.

 

       

    Unser Spektrum der laparoskopischen Milzchirurgie

    • Milzentfernung (Splenektomie)

    • Milzteilentfernung

    • Milzzysten-Entdachung

    • Wandermilz-Fixierung

 

    Das "Essener-Manöver"

    Selten muss auch über einen Bauchschnitt operiert werden.

     

 

     

 

     

 

 
 

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