Operationsdauer :

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    Anteil minimal invasiver Operationen: 100%

 

 

Sodbrennen ist in der Bevölkerung weit verbreitet und bereitet vielen Patienten zum Teil jahrzehntelang Beschwerden. Aber auch unangenehmes Druckgefühl hinter dem Brustbein, Schmerzen im Oberbauch sowie wiederholtes Erbrechen und Schluckauf sind häufig beschriebene Beschwerden. Diese Symptome werden nicht selten als Herzschmerz fehlgedeutet, und viele Reflux-Patienten müssen ausgedehnte Herz-Untersuchungen über sich ergehen lassen, bevor der tatsächliche Grund ihres Leidens erkannt wird. - Natürlich ist eine Herzerkrankung bei Verdacht auszuschließen!

Sodbrennen - ein häufiges Problem

(aus: der Spiegel 1999)

Symptome bei Refluxkrankheit

Das häufigste Symptom der Refluxerkrankung ist das Sodbrennen, der dumpfe Schmerz oder Druck hinter dem Brustbein, der meist mit der Art und Menge der Nahrung zusammenhängt und häufig auch nachts im Schlaf auftritt. Durch flaches Liegen und nach vorne Beugen nehmen die Beschwerden erheblich zu. Die Magensäure kann bis in die Nase und Lunge laufen. Nicht selten werden diese Symptome als Herzleiden fehlgedeutet. Weitere Symptome können Schluckstörungen, morgendliche Heiserkeit, chronisch vermehrtes Aufstoßen sowie Bronchitis, Lungenentzündung und Asthma sein. In seltenen Fällen können auch eine chronische Halsentzündung (sog. Laryngitis gastrica) Zahnfleischentzündungen und Mittelohrentzündungen durch den Reflux ausgelöst werden.

Symptome bei Reflux

  • Sodbrennen  70-90%
  • Schmerzen hinter dem Brustbein  70%
  • Säure-Aufstoßen  30%
  • Luft-Aufstoßen  60%
  • Schluckstörung  60%

Verschiedene Reflux-Patiententypen

  • Volumen-Refluxer
  • Tagrülpser („upright refluxer“)
  • Nachtbrenner („supine refluxer“)

Die Ursache der Erkrankung ist in den meisten Fällen eine Schwäche des Pförtnermuskels am Mageneingang (sogenannter unterer Ösophagussphinkter).

Häufig haben die Patienten auch einen Zwerchfellbruch (Hiatushernie), d.h. ein Höhertreten des Magens in den Brustkorb hinein im Bereich der Durchtrittstelle der Speiseröhre durch das Zwerchfell. Die Größe des Zwerchfellbruchs und die Verschlussschwäche des Mageneinganges nimmt in der Regel im Laufe des Lebens zu. Wie bei allen anderen Brüchen der Bauchhöhle (z.B. Leistenbruch) kann auch der Zwerchfellbruch einklemmen, was häufig zu nicht entdeckten inneren Blutungen führt und eine Ursache einer chronischen Blutarmut (Anämie) sein kann. Die Größe des Bruches und Ausmaß der Mageneingangsschwäche und damit der Refluxerkrankung haben allerdings nicht immer miteinander zu tun: Es gibt sehr große Brüche (mit Teilverlagerung des Magens in die Brusthöhle) die gar keine Symptome verursachen und wiederum relativ kleine Brüche mit massiver Refluxsymptomatik. Als weitere Ursachen für die Refluxerkrankung kommen eine Pumpfunktionsstörung der Speiseröhre (Motilitätsstörung) und damit gestörte Reinigungsfunktion, sowie eine Magenentleerungsstörung in Betracht.

ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie) schematisch

ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie)

bei einer laparoskopischen Operation

Diagnostik vor der Operation

Vor der Operation werden eine Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm, eine Ultraschalluntersuchung des Bauches und manchmal eine Röntgendarstellung von Speiseröhre und Magen durchgeführt. Darüber hinaus wird die Säure in der Speiseröhre und im Magen (sogen. 24-Stunden-pH-Metrie) gemessen. Eine Druckmessung in der Speiseröhre (Manometrie) liefert unter anderem Informationen über mögliche Schluckstörungen.

Diese Untersuchungen werden in unseren gastrointestinalen Funktionslabor durchgeführt.

Operationsverfahren

Als Therapiealternative zur medikamentösen Behandlung steht die operative Rekonstruktion des Ventils (die sogenannte Fundoplicatio) zur Verfügung. Das Ziel der Operation ist zum einen die Beseitigung des Zwerchfellbruches mit Verkleinerung der Durchtrittspforte der Speiseröhre durch das Zwerchfell und die Rückverlagerung des häufig in den Brustkorb verlagerten Ventils zwischen Magen und Speiseröhre in die Bauchhöhle. Da diese beiden Maßnahmen aber in der Regel nicht ausreichen, muss zum anderen der Ventilmechanismus zusätzlich verstärkt werden. Hierfür verwendet der Operateur den oberen Anteil des Magens - die Magenkuppel - um aus ihr eine Manschette um den unteren Speiseröhrenanteil zu legen und das Ventil somit effektiv zu verstärken. Wenn dies gelingt ist der Reflux und die damit verbundenen Beschwerden sofort beseitigt.

Die Operation wird endoskopisch (laparoskopisch) durchgeführt. Dabei wird CO2-Gas in die Bauchhöhle geleitet, um die Bauchdecke von den Organen abzuheben. Dann wird über stabartige Instrumente, die über ca. 1 cm lange Schnitte und durch Röhren in die Bauchhöhle geführt werden, die Operation durchgeführt.Hierbei wird der oft vorhandene Zwerchfellbruch behoben und die Zwerchfelllücke wieder durch eine Naht geschlossen. Dann wird der obere Magenanteil ringartig um den Mageneingang (ähnlich wie ein Rollkragen) geschlungen und vernäht. Ein kurzes Video der OP-Technik finden Sie hier.

Für den Operateur liegt der Vorteil in der durch die Videoendoskopie ermöglichten exzellenten Übersicht über das Operationsgebiet und die in dieser Technik schonenderen Operationsinstrumente. Für den Patienten ist bei dieser Operationsform der Unterschied gegenüber der konventionellen Methode per Bauchschnitt besonders groß. Das endoskopische Verfahren ist deutlich schmerzärmer weil die Wunden sehr klein sind, auf eine Wunddrainage nach der Operation kann i.d.R. verzichtet werden, die erste flüssige Nahrungsaufnahme kann schon am Abend des Operationstages erfolgen. Die Klinikentlassung ist meistens nach 3-6 Tagen möglich.

Eine Kombination dieses Verfahrens mit anderen endoskopischen oder konventionellen Operationen (z.B. laparoskopische Gallensteinoperation, Sterilisation, Schilddrüsenoperation, etc.) ist problemlos möglich.

Die TOUPET-Operation (schematisch)

 

Die TOUPET-Operation

 

Informations-Broschüre zum download

Mögliche Probleme bei und nach der Operation

Auch bei größter Sorgfalt und Sachverstand sind Komplikationen in der Chirurgie immer möglich.

Neben den Risiken einer Allgemeinnarkose können bei der Operation in seltenen Fällen Blutungen auftreten, die unter Umständen dazu führen, dass Blut transfundiert werden muss und evtl. auch ein Bauchschnitt mit Eröffnung der gesamten Bauchhöhle erfolgen muss, um die Blutung zu stillen. Ist eine Milzverletzung bei der Operation  ( ca. 0,5-1%) aufgetreten, muss die Milz manchmal entfernt werden.

Treten Verletzungen von Hohlorganen (Speiseröhre, Magen, Darm, weniger als 1%) auf, müssen diese wieder vernäht werden. Hierbei kann es auch zu Bauchfellentzündungen kommen. Selten treten bei oder nach der Operation Thrombosen (0,5 – 1%) auf, die wiederum in seltenen Fällen auch einmal zu gefährlichen Lungenembolien führen können.

Nach der Operation kann es selten (in ca. ca. 2-4%) zu Schluckbeschwerden kommen, die aber meist von alleine verschwinden. Nur in wenigen Fällen muss durch eine Magenspiegelung der Mageneingang erweitert (sogenannte Bougierung) werden.

Erfolgsaussichten nach der Operation

Die Heilungsergebnisse nach der endoskopischen Refluxoperation sind sehr gut, die meisten Patienten verlassen 3-4 Tage nach der Operation beschwerdefrei die Klinik und brauchen keine Magenmedikamente mehr einzunehmen. Die Refluxbeschwerden verschwinden meist schon am ersten Tag nach der Operation.

Ein erneutes Auftreten der Krankheit ist nach endoskopischer Fundoplicatio sehr selten (weniger als 8%).

Verhaltensregeln nach Refluxoperation

Nach der Operation sollten Sie bedenken, dass Ihr Schluckakt erst wieder neu antrainiert werden muss. Dies geht bei den meisten Patienten innerhalb weniger Stunden, selten dauert dies aber auch einmal einige Tage.

  • Grundsätzlich sollten Sie bei den ersten Mahlzeiten vorsichtig essen und schlucken und nach jedem Bissen immer einen Schluck Wasser nachtrinken.
  • Normalerweise brauchen Sie nach der Refluxoperation keine säureblockenden Medikamente mehr einzunehmen, bitte sprechen Sie dies aber mit Ihrem Arzt ab, da diese Medikamente evtl. auch aus anderen Gründen erforderlich sein könnten.
  • Sport, schwere körperliche Arbeit und insbesondere das Heben schwerer Lasten (mehr als 5 Kg) müssen in den ersten 4-6 Wochen nach der Operation unbedingt vermieden werden, um das vernähte Zwerchfell nicht zu gefährden. Das sollten Sie unbedingt vor der Operation einplanen !

Röntgenbild vor Operation: Axialer Zwerchfellbruch

 

Röntgenbild nach Operation:  

Zwerchfellbruch beseitigt,

guter Schluckakt

Ablauf einer Reflux-Operation (Fundoplicatio nach TOUPET)

Magen, Zwerchfell

Hiatus-Bruchlücke, Speiseröhre angeschlungen

Hiatus vernäht

Magen hinter der Speiseröhre durchgezogen

komplettierte Fundoplicatio nach Toupet

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